Bodenuntersuchung und Düngung
Bevor wir in der neuen Saison 2024 mit dem Säen und Pflanzen beginnen, wollten wir unseren Boden untersuchen. Als erstes haben wir den pH-Wert gemessen, der einen großen Einfluss auf die Verfügbarkeit der Nährstoffe, auf die Bodenlebewesen und das Pflanzenwachstum hat. Im Garten Nr. 1 haben wir einen Boden-pH-Wert von 7,2 gemessen. Das ist für den in unseren Kleingärten vorliegenden Braunen Auenboden relativ hoch. Denn laut Geologischem Landesamt sollte hier ein leicht saurer pH (also kleiner pH 7) vorliegen. Ein neutraler pH ist sehr erfreulich, denn viele nützliche Bodenlebewesen (Regenwürmer, Bakterien) mögen neutralen Boden! Außerdem sind die wichtigsten Pflanzen-Nährstoffe bei diesem pH-Wert auch recht gut für die Pflanzen verfügbar.
Bodenstruktur
Bevor wir uns mit der Düngung unserer Pflanzen beschäftigen, müssen wir zuerst die Voraussetzungen im Boden schaffen, damit die Nährstoffe vom Düngemittel zu den Pflanzen gut fließen können. Wichtig sind dabei vier Aspekte:
- Regelmäßige Kalkung des Bodens (alle 2 Jahre reicht), damit eine lockere Bodenstruktur entsteht. Denn die Calcium-Ionen (Ca2+)können mit ihren zwei Ladungen Bodenteilchen verbinden.
- Gute Humusversorgung des Bodens – z.B. durch eigenen Kompost – bewirkt ebenfalls eine Krümelstruktur des Bodens. Das verbessert die Durchwurzelbarkeit und Wasserhaltefähigkeit.
- Die Bodenart ist vorgegeben und besteht bei uns aus sandigem Lehm. Der Sandanteil hält die Nährstoffe (insbesondere Kationen wie Ca2+, K+ und Mg2+) nicht gut fest und sie können nach unten ausgewaschen werden. Der Lehm-Anteil kann andererseits Kationen ganz gut binden und an die Pflanzen weitergeben.
- Das Ausgangsmaterial des Bodens besteht bei uns aus Braunem Auenboden, der durch eiszeitlichen Transport von silikatischem Material aus dem Schwarzwald herrührt. Der Karbonatgehalt (und damit der Calciumgehalt) ist also von Natur aus gering. Auch andere Nährstoffe wie Phosphat und Kalium dürfen wir nicht erwarten Andererseits fand im Eschbachtal kein Bergbau statt, sodass wir keine Schadstoffe wie Schwermetalle fürchten müssen.
Wer Lust hat, kann sich interaktive Bodenkarten im Internet zur Geologie und Bodenkunde ansehen: https://maps.lgrb-bw.de/
Düngung
Grundsätzlich sollte man natürlich nur soviel düngen wie die Pflanzen auch brauchen. Sonst wird der Geldbeutel und die Umwelt unnötig belastet. Wie wir oben gesehen haben, ist unser Boden von Natur aus nicht reich mit Hauptnährstoffen (N, P, K) gesegnet. Wer das mal genauer betrachten will, kann eine Bodenanalyse durchführen lassen. Beispielsweise hier: https://www.raiffeisen-laborservice.de/boden/gartenbau/bodenanalysen-gartenbau.
Wir müssen also unsere Pflanzen mit Nährstoffen versorgen, wenn wir einen schönen Ertrag haben wollen. Dünge-Empfehlungen werden z.B. vom Raiffeisen-Laborservice gegeben. Der Pflanzenbedarf abzüglich der Gehalte im Boden ergibt dann den Düngebedarf.
Aus dem Buch „Faustzahlen für Landwirtschaft und Gartenbau“ habe ich einige Angaben für den Nährstoffbedarf einiger Pflanzengruppen herausgegriffen:
- Starkzehrer wie die Kohlarten und Kraut: 160-250 kg/ha N, 80-100 kg/ha P2O5 und 160-300 kg/ha K2O. Pro 10 qm muss man die Mengen durch 1000 teilen! 1ha = 10 000 qm.
- Mittelzehrer wie Rettiche, Zwiebeln, Salat: 80-120 kg/ha N, 40-60 kg/ha P2O5, 80-140 kg/ha K2O.
- Hülsenfrüchte (Leguminosen) brauchen wegen der Knöllchenbakterien wenig N (max. 60 kg/ha), 60-90 kg/ha P2O5 und 120-200 kg/ha K2O.
Auf den zugekauften Düngemitteln sind die Gehalte an N, P2o5 und K2O angegeben. So kann man richtig dosieren.
… hier fehlt noch was –> Geschätzte Gehalte von eigenem Kompost
Welche Düngemittel man einsetzt, ist natürlich wieder eine Wissenschaft für sich. Wer nicht auf chemisch-synthetischen Mineraldünger zurück greifen will, sollte organische Dünger einsetzen. Fein raus ist, wer seinen eigenen Kompost „züchtet“ und damit einen organischen Volldünger hat, der alle wichtigen Haupt- und Spurennährstoffe enthält. So können wir einen umweltschonenden Nährstoffkreislauf aufbauen. Um mehr Spurennährstoffe in den Kompost zu bekommen, kann man Gesteinsmehl zugeben. Auch Rinderdung kann man einsetzen. Den gibt es heutzutage sogar als Pellets. Kräuterjauchen mit Gesteinsmehl kann man selbst herstellen. Tipps findet man z.B. in „Mein schöner Garten“.
Für eine Stickstoffgabe zwischendurch (öfter und mehr bei Starkzehrern, seltener und weniger bei Mittelzehrern, und gar nicht bei Hülsenfrüchten, weil deren symbiotische Knöllchenbakterien den Luftstickstoff für die Pflanzen verfügbar machen) nehme ich Hornspäne (die wirken langsam) oder Hornmehl (wenn schneller Stickstoff her muss). In Kaffeesatz ist auch relativ viel Stickstoff enthalten. Jedoch ist Kaffeesatz sauer und eignet sich also nur für säure-liebende Pflanzen wie Heidelbeere oder Rhododendron.